Deshalb bist du unglücklich im Job

Sei ehrlich. Stehst du morgens gerne auf um ins Büro zu gehen?

Wenn deine Antwort „Nein“ ist, kann es dann sein, dass du unglücklich im Job bist?

Es gibt natürlich mehrere Gründe dafür warum du unzufrieden sein kannst. Es kann dir an Wertschätzung vom Vorgesetzten mangeln, die Arbeit eintönig, die Kollegen nervig oder der Sinn deiner Tätigkeit nicht existent sein.

In jedem dieser Beispiele geht es allerdings im Grunde darum, dass einer oder mehrere deiner Werte verletzt werden. Dadurch fühlt sich die Arbeit nicht richtig bzw. erfüllend an.

Unsere Werte

Uns um unsere Werte zu kümmern ist, wie ich finde, ein extrem wichtiger Aspekt um unser Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Immerhin sind sie ein Teil unseren inneren Kompasses, der uns (meist unbewusst) durchs Leben steuert.

Damit klar ist, was mit Werten gemeint ist, kommt hier eine kurze Erklärung: sie sind die Dinge die uns wichtig sind. Beispiele können sein: Freiheit, Transparenz, Fairness, etc.

Es handelt sich dabei also um (Haupt-)Wörter die in einem bestimmten Kontext für uns eine besondere Bedeutung haben.

Wenn mir im Beruf Weiterentwicklung extrem wichtig ist, dann ist das einer meiner Werte im Berufsleben. Im Freundeskreis muss mit Weiterentwicklung dann allerdings nicht zwangsläufig auch wichtig sein. Es könnte sogar sein, dass mir dort z.B. Beständigkeit, also dass alles bleibt so wie es ist, wichtig ist. Es ist also kein Widerspruch, dass wir konträre Werte in verschiedenen Lebensbereichen haben.

Außerdem werden wir in jedem Lebensbereich mehrere Werte haben. Es kann auch durchaus sein, dass es zwischen den Werten eine gewisse Reihenfolge gibt.

Grundsätzlich gilt, dass du die Werte die du im Berufsleben hast dort auch ausleben kannst, sonst wirst früher oder später unglücklich im Job werden.

Unsere Identitäten

Ja richtig gelesen, wir haben mehrere Identitäten. Damit meine ich aber nicht die Identitäten, die mit einem Personalausweis verbunden sind, sondern die sprichwörtlichen Hüte, die wir tagsüber ständig wechseln.

Da gibt es vielleicht den Partner-Hut, den Vater- oder Mutter-Hut, den Sohn- oder Tochter-Hut, den Angestellten- oder Selbstständigen-Hut, usw. Diese Rollen bzw. Identitäten wechseln wir während des Tages meist relativ rasch immer wieder durch.

Jede dieser Rollen fasst ein gewisses Set an Werten zusammen. So kann ich in der Angestellten-Identität z.B. pünktlich, ambitioniert und gewissenhaft sein, weil diese Eigenschaften meinen Werten im Berufskontext entsprechen während ich als Partner all diese Eigenschaften nicht an den Tag lege. Das kann dann zu der paradoxen Situation führen, dass ich bei beruflichen Terminen schon immer 5 Minuten davor bereit bin während ich meine Partnerin regelmäßig warten lasse.

Ist meine Partnerin ebenfalls nicht pünktlich und das somit kein Problem für unsere Beziehung (weil immerhin ja beide nicht pünktlich sind) kann es aber zu der prekären Situation führen, wenn ich mit meiner Partnerin zu einem Geschäftsessen eingeladen bin. Die Frage ist, ob ich dann meinen Beziehungshut trage und unpünktlich zum Geschäftsessen komme oder ob ich meinem Berufshut trage und meine Partnerin antreibe, weil wir pünktlich von Zuhause weg müssen.

Beide Situationen könnten für Irritationen sorgen. Entweder sind die Geschäftspartner verwundert, weil ich gegen meinen Ruf unpünktlich bin, oder meine Partnerin versteht nicht, warum ich ihr so einen Druck mache.

Warum du tust was du nicht willst

Wie du siehst sind wir komplexe Wesen. Aber warum kommt es dann vor, dass wir manchmal Dinge im Job tun, die wir eigentlich nicht tun wollen?

Und ich rede hier nicht von den langweiligen Aufgaben, die uns keinen Spaß machen. Ich meine die Aufgaben, die sich gegen unsere Werte richten, wir uns aber gezwungen sehen sie trotzdem zu machen und wir dadurch unglücklich im Job werden.

Oft ist es so, dass Menschen, die Dinge tun obwohl sie es nicht wollen, einen Wertekonflikt in sich austragen. Als Beispiel erzähle ich dir die Geschichte eines fleißigen jungen Mannes der sich im Laufe seiner Karriere kontinuierlich auf der Karriereleiter hochgearbeitet hat. Er wickelte die Projekte seiner Kunden vorbildlich ab und schnitt besser als viele seiner Kolleginnen und Kollegen ab. Als seine Vorgesetzte zu ihm kam und ihm vom neuen Kunden berichtete, den sie gerade gewonnen hatte, wusste er, dass es sich dabei um einen extrem wichtigen Kunden handelte.

Es war ein großer Kunde mit einem bekannten Namen und der junge Mann war sich sicher, dass ein erfolgreiches Projekt ihn und die Firma voranbringen würde. Natürlich nahm er das Projekt an und saß schon ein paar Tage später mit dem Kunden im ersten Meeting.

Relativ schnell stellte sich allerdings heraus, dass das Projekt erhebliche viel mehr seiner Zeit in Anspruch nehmen würde als gewöhnlich. Außerdem müsste er einige Zeit im Ausland verbringen. Und das war ein Problem für ihn. Privat war er ein frisch gebackener Vater und wollte unbedingt mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Würde er das Projekt weiterhin übernehmen, würde das allerdings nicht möglich sein.

Immer dann, wenn er sich entschloss das Projekt abzugeben sagte eine innere Stimme in ihm, dass das seiner Karriere schaden würde und immer dann, wenn er das Projekt weiter machen wollte, sagte eine andere innere Stimme, dass er dadurch viele Momente mit seinem kleinen Kind verpassen würde.

Er kämpfte den ganzen Tag damit entweder seine Familienvater Stimme oder seine Karriere Stimme zu besänftigen was ihn über die Wochen und Monate, die das Projekt dauerte, zermürbte. Er wurde so richtig unglücklich im Job. Genau solche Situationen sind auch hauptausschlaggebend für Burnout.

Doch wie kann der junge Mann sein Problem lösen? Höchstwahrscheinlich ist er aufgrund seiner Situation so auf seine beiden Fronten eingeschossen, dass er nur mehr mit Tunnelblick agieren kann. Zwei Dinge sind daher wichtig um so eine Situation zu lösen.

Zum Einen muss er für sich klären wie er seine Werte bewertet. Ist ihm seine Karriere und seine Familie wirklich so wichtig wie er denkt? Das kann er alleine machen indem er sich selbst und seine Werte reflektiert.

Oder er nimmt sich Hilfe dazu. Das können Freunde oder Familie sein, oder ein professioneller Coach oder Berater.

Zum Zweiten sollte er einen Schritt zurück steigen und sich seine Situation von außen ansehen. Wenn ihm beide Werte so wichtig sind, hat er dann wirklich keinen Ausweg? Kann er nicht vielleicht sogar einen Job finden, der beide noch besser verbindet?

Auch hier macht es Sinn sich jemanden dazu zu holen. Freunde und Familie können hier helfen, er muss aber vorsichtig sein, dass seine Situation nicht relativiert wird. Auch Ratschläge sind hier meist nicht förderlich, weil es ja um einen Wertekonflikt innerhalb der Person geht und niemand außer der Person selbst kann entscheiden was eine gute Lösung wäre. Eine gute Alternative wäre auch hier wieder einen professionellen Coach oder Berater zu konsultieren.

Wenn du in einer ähnlichen Situation wie der junge Mann steckst und diese Dinge für dich auflösen kannst, ist die Wahrscheinlichkeit, unglücklich im Job zu sein, dramatisch reduziert. Die Chancen stehen dann gut, dass du in deinem aktuellen Beruf aufblühst oder eine Arbeit findest die dir Spaß macht. Es bietet dir auf jeden Fall die Basis dafür bessere Entscheidungen im Job zu treffen.